Im digitalen Zeitalter lernt die Technik von und mit dem Menschen. Zum einen agiert Technik zunehmend eigenständig ohne die Steuerung durch den Menschen. Zum anderen geschieht dies, ohne den Menschen in seinem Handeln vollständig zu überwachen. Ziel ist es eine natürlichen Mensch-Technik-Interaktion (MIT) zu erreichenBei der Mensch-Technik-Interaktion geht es um die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine sowie die Benutzerfreundlichkeit (Usability). Dieses Themengebiet war Inhalt meines Digitalisierungs-Studiums im  vergangenen Monat. In diesem Artikel erfahren Sie mehr zu meinen drei wichtigsten Learnings zur Mensch-Technik-Integration und dem aktuellen Stand in puncto Digitalisierung.

Meine drei Learnings:

  1. Virtual Reality bzw. Virtuelle Realität (VR) ist weiter als ich dachte, hat aber auch ihre Grenzen. 
  2. Die Virtuelle Realität kann uns beim Lernen unterstützen. 
  3. Trotz Digitalisierung ist es noch lange hin, bis die Künstliche Intelligenz (KI) den Menschen ersetzen wird. Denn wir können etwas, was die KI nicht kann.

Was ist virtuelle Realität? 

Vielleicht haben Sie im Zusammenhang mit der Digitalisierung schon einmal etwas von VR-Brillen gehört oder Sie haben sogar schon mal eine ausprobiertVirtual Reality steht für die Darstellung einer künstlich erschaffenen Welt. Mit Hilfe von Computer-Technologien, d.  h. spezieller Hard- und Software, wird eine künstliche Wirklichkeit erzeugt, die sich an der reellen Welt orientieren kann – aber nicht muss. Virtual Reality kombiniert unterschiedliche Sinneseindrücke wie z. B. Bild und Ton. Dadurch entsteht das Gefühl von einer neuen Realität und Wirklichkeit. 

1. Aktueller Stand der Digitalisierung und Grenzen der Virtuellen Realität

Erfahrungen mit Virtual Reality

Meine Selbsterfahrung in der Virtuellen Realität

Es war für mich das erste Mal, dass ich in die Virtuelle Realität eintauchen durfte! Ich tauchte wirklich ab in die künstlich erzeugte Welt. Zum Glück war das Vergnügen von kurzer Dauer. Etwa fünf Minuten habe ich mich in der Virtuellen Realität bewegt, viel länger und ich glaube, mir wäre schlecht geworden. Ich habe gelernt, dass die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der sogenannten Motion Sickness in der Virtuellen Realität sehr hoch ist.  

Motion Sickness

Motion Sickness entsteht, wenn zwischen der beabsichtigten und rückgemeldeten Bewegung eine Diskrepanz besteht. Virtual Reality funktioniert heute vor allem über die visuelle Wahrnehmung, d.h. Reizaufnahmen, die durch das Auge erfolgten. Allerdings haben wir Menschen nicht nur die visuelle Wahrnehmung, sondern noch neun weitere Formen der Wahrnehmung wie z.B. den Hör-, Geschmacksinn und auch den Gleichgewichtssinn. Sobald die gesendeten Signale der verschiedenen Wahrnehmungsarten an das Gehirn nicht übereinstimmen, wird uns übel.  

Was ist mir sonst noch aufgefallen? 

Die Wiedergabe der Fingerfertigkeiten lassen arg zu wünschen übrig. Alles läuft noch mit Controllern (Handgeräte). Mit diesen lassen sich allerdings noch keine Schraubenschlüssel bedienen. In meinem Beispiel habe ich einen Kran gesteuert. Dies ging nur, wenn ich auch zum Kran hingesehen habe (was der Lernende auch genauso lernen soll). Doch habe ich meine Kransteuerung ständig verloren. Mir schien, die Gamer in unserem Studium haben hier einen klaren Vorteil, da sie den Umgang mit Controllern gewohnt sind.  Interessant war für mich zu erfahren, dass VR für KMU bereits sehr erschwinglich ist: Dies gilt für Hard- und Software als auch für die Head Mounted Displays (HMD), welche es in guter Qualität bereits für 429,- CHF bei der Migros gibt. 

Sinnvolle Einsatzgebiete von Virtual Reality  

Im Zuge der Digitalisierung wird Virtual Reality immer populärer. Virtual Reality ist aus meiner Sich gut geeignet für: 

  • Räumliche Vorstellung z. B. sich ein neues Gebäude oder die Platzierung einer neuen Maschine im Raum besser vorstellen und gleich Änderungen vornehmen zu können 
  • Online-Testing von Bewegungsabläufen durchführen(wo gehen die Menschen hin, wo sehen sie hin und wo nicht? (Eye-Tracking) 
  • Erlernen neuer Prozess-Abläufe (z.B. Der Bau einer Maschine) 

Wirklich spannend ist – bei allen o.g. Beispielen können die Rahmenbedingungen ständig geändert werden: 

  • Wetterbedingungen 
  • Hell/Dunkel bzw. Tag & Nacht simulieren 

Vorteile, die sich durch die ständige Kontext-Änderung ergeben: Wir speichern das Erlernte im Langzeitgedächtnis besser ab. Und 3D ist besser als 2D, da mehr Sinne angesprochen werden. 

Wofür ist Virtual Reality (noch) nicht geeignet: 

  • Für die manuelle Handhabung von Werkzeugen (Schraubenzieher, Bohrmaschine) 
  • Stundenlanges Lernen in der Virtuellen Realität, da doch nur sehr wenige Sinneskanäle angesprochen werden und die Motion Sickness schnell den Spass verdirbt. 

2. Wie uns die Virtuelle Realität beim Lernen unterstützen kann

Wir Menschen speichern unser Wissen besser ab, je mehr sensorische Wahrnehmungen wir beim Erlernen haben. Was hat das mit Virtueller Realität zu tun?  Wahrnehmungen sind Aufnahmen und Verarbeitungen von Reizen der Sinnesorgane: 

  • Sehen 
  • Hören 
  • Schmecken 
  • Riechen 
  • Gleichgewichtssinn 
  • Tastsinn 
  • Muskelspannung 
  • Stellungssinn/Körperlage 
  • Schmerzen 

Jedes Sinnessystem hat ein eigenes Netzwerk aus Nervenzellen. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto größer das neuronale Netzwerk. Je größer das neuronale Netzwerk, umso mehr Verknüpfungen und umso besser wird das Wissen abgespeichert. Weil beim 3D-Lernen mehr Sinne angesprochen werden, ist wir mehr Wissen abgespeichert als 2D. Hier verspricht das Lernen mit Virtual Reality ein besseres Lernergebnis als normales computerbasiertes Lernen. 

Motorisches vs. theoretisches Wissen 

Motorisches Wissen (Radfahren) bleibt lebenslang, während wir theoretisches Wissen nach spätestens sechs Wochen vergessen, wenn wir es nicht regelmäßig anwenden. Die Körperbewegungen können in der Virtuellen Realität vom Lernenden ebenfalls simuliert werden, wodurch das Erlernte besser abgespeichert wird. 

Auswirkungen auf das Kurz- und Langzeitgedächtnis von  Lernmethodiken 

Lernen wir “durcheinander” statt immer in der gleichen Reihenfolge, behält unser Kurzzeitgedächtnis zwar weniger als die Vergleichsgruppe, die in der gleichen Reihenfolge gelernt hat. Allerdings hat die “Durcheinander-Gruppe” langfristig mehr behalten als die “Reihenfolge-Gruppe”. Somit ermöglicht “Durcheinander-Lernen” unter verschiedenen Rahmenbedingungen einen langfristig besseren Lerneffekt. In der Virtuellen Realität können Rahmenbedingungen wie Wetterbedingungen oder auch veränderte Abläufe sehr gut simuliert werden. 

Mein Fazit zum Einsatz von der Virtuellen Realität 

  1. Virtual Reality kann sehr gut beim “Durcheinander-Lernen”  und Einbezug der motorischen Bewegungen unterstützenDadurch wird das Erlernte längerfristiger im Gedächtnis abgespeichert. 
  2. Unabhängig von VR ist der Einbezug des ganzen Körpers beim Lernen enorm wichtig! Ich arbeite im Coaching auch viel mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM). Dort ist das Embodiment, also die Verkörperung, eine enorm wichtige Ressource. Im ZRM bedeutet dies konkret, dass das persönlichen Haltungsziel in einen Bewegungsablauf integriert wird.Meine Erfahrungen aus der Coaching-Praxis bestätigen, dass der Einbezug des Körpers einen sehr nachhaltigen Effekt hat. 

3. Künstliche Intelligenz ersetzt den Menschen nicht

Es ist noch lange hin, bis die Künstliche Intelligenz (KI) den Menschen ersetzen wird, denn wir können etwas, was die KI nicht kann: Wir Menschen stellen die richtigen Fragen! Digitalisierung in der Arbeitswelt bedeutet Mensch und Technik intelligent miteinander zu verknüpfen. Neuesten Studien zufolge wird die Technik den Menschen ergänzen, anstatt ihn zu ersetzen oder gar zu überwachen, denn:

  • Die Stärken von uns Menschen sind unser allgemeines Wissen. Wir denken in die Breite und erkennen Zusammenhänge, sprich “Wir stellen die richtigen Fragen”. 
  • Die Stärken der KI-Systeme sind ihr „spezielles Wissen“. KI-Systeme sind auf die Erfüllung ganz bestimmter Funktionen trainiert, sprich “Maschinen geben gute Antworten”. 

Ergo wird für die Zukunft angenommen: “Menschen sind der flexibelste und intelligenteste Teil der heutigen und künftigen Organisation” (Kärcher, 2014). Dies sind doch gute Aussichtenoder nicht?   

Annette Jordan

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