In Zeiten von Corona, Social Distancing und Ausgangssperren stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Schulungen, Seminare oder Workshops nicht wie gewohnt als Präsenzveranstaltung durchführen zu können. So steigt – wenn auch gezwungenermaßen – die Bereitschaft, digitale Formate zu testen. Schulungen und Seminare, die in der Vergangenheit klassischerweise vor Ort gehalten wurden, verlagern sich nun in die Online-Welt. Auch ich hatte das Glück mit meinem Weiterbildungsstudium (CAS) Digitalisierung in der Arbeitswelt. Unser Kurs „Digitales Lernen“ fand – wie der Name im Grunde genommen schon impliziert – online statt (obwohl er ehrlicherweise ursprünglich als Präsenz-Schulung geplant war).  

Haben Sie auch schon an einem Online-Workshop teilgenommen oder planen Ihre Präsenzveranstaltung in ein digitales Online-Format zu transformieren? Ich starte diese Woche erstmalig mit einem meiner Kunden einen Team-Workshop zur Organisationsentwicklung – ebenfalls als Online-Workshop! Was den Aufbau die Struktur und Durchführung betrifft haben wir hier eine Menge konzeptionell verändert. Denn eine 1:1 Umstellung ist nicht zielführend. Online ist eben nicht offline. In diesem Beitrag geben wir Ihnen 5 Tipps, worauf Sie bei der Konzeptionierung eines digitalen Formates für eine bestehende Präsenz-Veranstaltung achten sollten:

1. Vorbereitung der Teilnehmer

2. Interaktive Gestaltung des Online-Workshops

 

3. Umgang mit Fragen

 

4. Förderung der Interaktion

 

5. Dauer der einzelnen Sessions und Pausen

 

Tipp 1: Geben Sie Ihren Teilnehmern die Möglichkeit, sich vorbereiten zu können

 

Eine Vorbereitung der Teilnehmer im Vorfeld macht Sinn, wenn der Fokus während des Online-Workshops auf die Interaktion zu dem Thema zwischen den Teilnehmenden und dem Moderator liegen soll und weniger auf der Inhaltsvermittlung. 

Beispiel 1 „Digitales Lernen“: Vor unserer Live-Schulung mussten wir uns alle vorher in das Thema einlesen oder Video-Clips ansehen. Dadurch wussten wir bereits vorher, worum es im Seminar gehen würde. Wir konnten selbst bestimmen, wann und wie umfangreich wir dies tun würden. Das fördert das Autonomie-Erleben. Auch erspart es langweilige Powerpoint-Vorträge, die vor allem online sehr ermüdend sind. Stattdessen konnten wir direkt mit unserer Fallstudie starten. 

Beispiel 2 „Team-WS Organisations-Entwicklung“: Die Teilnehmer haben vorab eine Mail mit allen wichtigen Infos und Links zur Vorbereitung erhalten. In diesem konkreten Fall haben wir zwei Boards im Projektmanagementtool, Trello, erstellt:  

  • das eine mit den Zielen, Ablauf und Vorbereitungsarbeiten und  
  • das andere Board mit den Inhalten, an denen wir arbeiten werden.  

Wichtig ist, dass alle Teilnehmer Zugriff auf diese Boards haben. Wenn es Ergänzungen oder Änderungen gibt, dann braucht es keine neue Infomail, denn alle werden automatisch darüber informiert. Wir haben diesen Weg gewählt, weil wir am Workshop-Tag den Schwerpunkt auf die inhaltliche Erarbeitung legen wollen und nicht auf die Wissensvermittlung. 

Wichtig: Die Video-Clips oder Präsentationen müssen kurz sein! Max. 10 Minuten. Auch muss klar sein, wie lange es ungefähr für die Vorbereitung braucht, damit sich jeder die Zeit gut einrichten kann. 

Tipp 2: Gestalten Sie Ihre Vorträge interaktiv 

 

Wenn Sie während des Online-Workshops Wissen vermitteln möchten, dann sollten Sie Ihren Vortrag interaktiv gestalten: nutzen Sie Video-Clips oder stellen Sie nach jedem inhaltlichen Abschnitt Online-Umfragen. Das macht die Teilnehmer wieder wach und kann durch den Gamification-Charakter auch lustig sein. 

Beispiel 1 „Digitales Lernen“: als gutes Beispiel wurden hier Online-Umfragen durchgeführt. Die empfand ich als sehr auflockernd und lustig. Als schlechtes Beispiel hatten wir einen „gefühlt“ einstündigen Monolog-Powerpoint-Vortrag, bei dem ich irgendwann mein Video ausgeschaltet habe, weil ich Angst hatte, ich würde vor dem Bildschirm einschlafen. Das Problem war, dass wir als Zuhörer nicht eingebunden wurden. Umgekehrt hatte der Dozent das Problem, dass fast 90% von uns gegen Ende die Videos ausgeschaltet hatten. So konnte er keine Interaktion von uns wahrnehmen, was für ihn bestimmt auch keine schöne Erfahrung war. 

Tipp 3: Ermuntern Sie die Teilnehmer, Fragen in den Chat zu stellen

 

Ermuntern Sie Ihre Teilnehmer, Fragen oder Anmerkungen während der Online-Veranstaltung in den Chat zu stellen (nachdem Sie ihnen erklärt haben, wie dieser funktioniert). Idealerweise haben Sie bei einem grösseren Teilnehmerkreis einen Co-Moderator, der den Chat ständig im Auge behält und Sie immer wieder auf die Fragen hinweist. Denn Sie sollten auch auf die Fragen eingehen, sonst fühlt sich der Fragesteller nicht ernst genommen. 

Beispiel 1 „Digitales Lernen“: Unsere Dozentin hatte zum Teil eine Co-Moderatorin, die sowohl den Chat als auch die Umfragen übernahm. So wurde nichts übersehen. 

Beispiel 2 „Team-WS Organisations-Entwicklung“: Ich plane mit meinem Teamleiter, in den Pausen die Fragen im Chat durchzugehen und jeweils nach der Pause darauf einzugehen. 

Tipp 4: Regen Sie den Austausch in Klein-Gruppen an

 

Es hängt natürlich von der Länge und Grösse Ihrer Online-Veranstaltung ab, aber falls diese länger als 90 Minuten geht und mehr als 5 Teilnehmer hat, dann empfehle ich Ihnen, den Austausch in Klein-Gruppe anzuregen. Denn die Erarbeitung von Inhalten mit 6 Personen oder mehr im Online-Workshop ist extrem anstrengend. Entweder sagt keiner etwas oder alle setzen gleichzeitig zum Reden an. Wegen der Zeitverzögerung (Latenz) durch die Technik wird dies online noch verschärft. Am besten eignen sich Gruppen von 3 Personen, vor allem falls sich die Teilnehmer nicht kennen. Der Austausch kann entweder in der Pause oder zu einem konkreten Arbeitsthema erfolgen. Sogenannte „Breakout-Sessions” werden von den meisten Kollaborations-Tools gefördert und sind leicht zu bedienen. Weiterhin stärken Sie die soziale Interaktion und die Dynamik Ihres Seminars bleibt erhalten oder wird sogar erhöht. 

Beispiel 1 „Digitales Lernen“: hier waren wir während der 3 Tage Online-Vorlesung in einer 5er-Gruppe und haben gemeinsam an einem Schulungskonzept gearbeitet. Wir hatten viel Spass, waren komplett autonom und haben nur einmal für einen Quality-Check unsere Dozentin in unsere Gruppe eingeladen. 

Beispiel 2 „Team-WS Organisations-Entwicklung“: Auch hier haben wir diverse Gruppenarbeiten à 3 oder 4 Personen geplant. Im Anschluss an die Gruppenarbeiten fassen wir die Entscheide und weiteren Schritte im Plenum zusammen. Durch das gemeinsame Trello-Board sehen wir immer alle, was erarbeitet wurde und was beschlossen wird. 

Beispiel 3: „Networking-Veranstaltung“: Ich war letztens auf einer Online-Networking-Veranstaltung mit wildfremden Menschen. In den Pausen, wo wir zu dritt in Breakout-Sessions bunt zusammengewürfelt waren, habe ich extrem interessante Menschen kennenlernen dürfen. Unsere Energie-Level waren durch den inspirierenden Austausch nach den Pausen extrem hoch. 

Tipp 5: Planen Sie genug Pausen ein

 

Sie haben es wahrscheinlich schon selbst bemerkt. 90 Minuten online ohne Pause, da wird man verrückt. Von daher planen Sie spätestens nach 60 Minuten eine Pause ein, besser noch nach 45 Minuten. Das hält die Energie hoch. Sie können dies wie oben beschrieben auch mit den Online-Tools in Breakout-Sessions planen (Beispiel 3). Da kann sich jeder noch einen Kaffee oder Gipfeli holen und sich anschliessend einfach mit den anderen austauschen. 

close

Bleiben Sie agil!

Wenn Sie an fachlichen Inputs rund um das Thema: "Führen im digitalen Wandel" interessiert sind, dann schreiben Sie sich hier ein. So verpassen Sie nichts.

Sie können sich jederzeit wieder abmelden.